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Wirtschafts-Nobelpreis 2010 geht an Ökonomen-Trio

11.10.2010


Der Wirtschafts-Nobelpreis 2010 (eigentlich "Bankenpreis der Nobelpreiskommission") geht an die Ökonomen Peter Diamond, Dale Mortensen (beide USA) und Christopher Pissarides (Großbritannien). Laut dem Komitee erhalten die drei die Auszeichnung für ihre Markttheorien zu Wirtschaftspolitik und Arbeitslosigkeit. Die drei Forscher hätten das theoretische Fundament für sogenannte Suchmärkte formuliert, teilte das Preiskomitee am Montag in Stockholm mit.

Das nach Diamond, Mortensen und Pissarides benannte "DMP-Modell" helfe beim Verständnis der Funktionsweise des Arbeitsmarkts, begründete die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften. Unter anderem gehe es darum, warum es gleichzeitig eine hohe Zahl von Arbeitslosen bei starker Nachfrage nach Arbeitskraft geben könne. Diamond habe die speziellen Eigenarten solcher unvollkommener Märkte geliefert. Mortensen und Pissarides erweiterten die Theorie und wandten sie auf den Arbeitsmarkt an.

Paradox: Arbeitslos, obwohl viele freie Stellen

Die Modelle machten verständlich, wie Arbeitslosigkeit, offene Stellen und Löhne durch Regulierung und Wirtschaftspolitik beeinflusst würden, erklärte die Jury. Die Such-Theorie sei darüber hinaus auf viele andere Märkte mit Problemen beim Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage übertragen worden, etwa den Immobilienmarkt. Die Ansätze finden auch in den Bereichen Geldpolitik und Finanzwirtschaft Anwendung.

"Die Modelle der Preisträger helfen uns zu verstehen, wie Arbeitslosigkeit, freie Stellen und Löhne von Regulierung und Wirtschaftspolitik beeinflusst werden", hieß es.

"Ziemlich überrascht und sehr froh"

Der US-Bürger Peter A. Diamond, geboren 1940 in New York City, ist als Ökonomieprofessor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) tätig. Dale T. Mortensen, ebenfalls US-Bürger und geboren 1939 in Enterprise in Oregon, arbeitet als Professor an der Northwestern Universität in Evanston in Illinois. Der britische und zypriotische Staatsbürger Christopher A. Pissarides, geboren 1948 in Nikosia auf Zypern, ist Professor an der London School of Economics and Political Science in Großbritannien.

Pissarides sagte in einem Telefonat mit der Schwedischen Akademie kurz nach der Bekanntgabe, er sei über die Zuerkennung des Preises "ziemlich überrascht und sehr froh". "An das Geld habe ich überhaupt noch nicht gedacht", sagte Pissarides auf die Frage, was er mit dem Preisgeld machen will.

Diamond für US-Notenbank nicht gut genug?

US-Präsident Barack Obama hat den 70-jährigen Ökonomen Peter Diamond und Mathematiker für den Vorstand der US-Notenbank (Fed) nominiert. Im August 2010 wies der US-Senat seine Nominierung aber unerwartet zurück. Diamond habe nicht die richtige Art von Erfahrung für diesen Job, begründete der republikanische US-Senator Richard Shelby. Obama nominierte Diamond Mitte September erneut. Doch der Senat war weiterhin nicht zufrieden und verständigte sich auf eine weitere Anhörung. Die Republikaner sind der Meinung, dass der Ökonomieprofessor zu wenig Kompetenz in geldpolitischen Fragen mitbringt. Der Nobelpreis könnte nun der Nominierung Rückenwind verleihen.

Der 71-jährige Mortensen gilt als Pionier der Theorien zur Arbeitssuche und hat die gesamte Forschungsrichtung mit seinen Erkenntnissen geprägt. Der 1948 geborene Pissarides, mit 62 Jahren der jüngste der drei Forscher, hat sich neben der Arbeitsmarkttheorie jüngst auch in die Bereiche Wachstum und Strukturwandel vorgewagt.


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